Montag, 10. März 2014

Yeti ‘14

von Johanna Dungl

An einem düsteren Samstagmorgen machte sich eine Gruppe junger Menschen auf den Weg, um aus nur ihnen bekannten Gründen die Nacht in einer Schneehöhle zu verbringen.
Zu diesem Behufe quetschten wir uns zu dritt in ein kleines rotes Auto und nutzten nach einer wenig verheißungsvollen, da verregneten Autofahrt die erstbeste Gelegenheit für einen kleinen Abstecher und kehrten in einer Filiale einer beliebten Supermarktkette ein. Schon dort wurde klar, dass mit Werner O. nicht zu spaßen ist: Der Mann verzehrt bereits zum Frühstück Leberkässemmeln und Pizzaweckerln. Zimtschnecken, Nusskronen und dergleichen kosten ihn nur ein müdes Lächeln. Da wollte Martin natürlich gleich mithalten und bestellte sich glatt auch eine Leberkässemmel. Nachdem er dann aber zirka eine halbe Stunde mit Jammern verbrachte, weil er sich die honigweichen Lippen am heißen Kaffee verbrannt hatte, war der Harte-Mann-Effekt gleich wieder verpufft. Seltsamerweise kamen wir dann auch viiiiel zu spät am Parkplatz an, wo die anderen schon auf uns warteten. Wie peinlich. Schlussendlich schafften wir es aber doch, uns in Bewegung zu setzten und schlurften den Forstweg hinauf Richtung Sonnschienhütte.

Am Parkplatz kurz vor dem Start
Der Aufstieg verlief bis auf einen gerissenen Riemen an einem Schneeschuh relativ unspektakulär. Ich zeichnete mich vor allem durch Tölpelhaftigkeit an eisigen Stellen aus, was mit HUNDERTPROZENTIGER Sicherheit an den schleißigen Fellen lag. Irgendwann holte uns dann jemand mit Lichtgeschwindigkeit ein – Mani, wie man erkennen konnte, nachdem er das Tempo heruntergeschraubt hatte. Mani wollte als einziger Teilnehmer am selben Tag wieder ins Tal hinunter und hatte den größten  Rucksack von allen. Das hätte uns gleich verdächtig stimmen sollen.
bereits am Plateau angekommen mit Mani dem Blitz
Weiter ging es bergauf und nach nicht allzu langer Zeit erreichten wir auch schließlich das Ziel der ersten Etappe: Die Sonnschienhütte. Dort konnten wir uns erst einmal an Kraftbrühe (eines von Werners Lieblingswörtern) und dergleichen erwärmen, bevor wir in der wohligen Wärme des Kachelofens auf den restlichen Teil des Trupps warteten. Diese Gelegenheit nützte Mani gleich, um aus den unergründlichen Tiefen seines Rucksacks wunderbare Dinge zu zaubern: Zum Auftakt gab es eine Probe Muskelgel für alle.

a gmiatliche Partie in der Hütte!
Nachdem sich alle gestärkt und aufgewärmt hatten, kamen wir zum wesentlichen Teil unserer Unternehmung – dem Bau zweier Schneehöhlen. Der Wind blies uns um die Ohren während wir zaghaft nach einer geeigneten Stelle suchten und schließlich zu graben begannen. Nach Stunden harter Arbeit waren wir hungrig, teilweise durchnässt und interessierten uns nicht mehr wirklich dafür, ob das Ding denn jetzt mitten in der Nacht über unseren Köpfen kollabieren würde.

am Weg Richtung Biwakplatz

"unsere wunderbare Wechte!"

des wird NIE was!!

des WIRD was!!!! :-D
Die erste Gruppe bezog in Windeseile ihre Höhle, während die anderen noch ein bisschen schaufeln mussten. Sofort wurden wir von wohliger Wärme umgeben. Zum Glück, kann man nur sagen, denn einige von uns waren nur mit der Frequency-Ausrüstung angerückt oder hatten sich gar nicht erst die Mühe gemacht, überhaupt einen Schlafsack (!) mitzuschleppen. Andi schaffte es tatsächlich, uns den restlichen Abend in dem Glauben zu lassen, er würde bloß im Biwaksack schlafen...
Mama Martin machte sich auch sogleich daran, Suppe für alle zu kochen und versorgte uns mit allem, was das Herz begehrt. Unterstützt wurde er dabei von Mani und hier wurde ganz schnell klar, warum der Mann einen Rucksack, der von der Größe her für eine Woche Überlebenstraining in der Arktis konzipiert war, in solch luftige Höhen geschleppt hatte. Wie von Zauberhand erschienen daraus plötzlich allerlei Dinge: Marokkanisches Couscous (!), Wein, Weinbecher, Wärmepads und vieles mehr.

wahrer Einsatz! Danke!
Unterdessen war uns aufgefallen, dass die andere Schneehöhle nicht weit von unserer sein konnte, da wir dumpf Stimmen hören konnten. Werner schritt sogleich zur Tat und sondierte die Nachbarhöhle. Es stellte sich heraus, dass die Zwischenwand nur 20 cm maß. Ein Guckloch war sogleich gebohrt, doch da es den Nachbarn zu sehr zog und sie auf unseren Dunst nicht sehr erpicht waren, war das Guckloch ebenso schnell wieder verschlossen. Irgendwann fühlte sich Werner dazu veranlasst, den Nachbarn höchstpersönlich einen Besuch abzustatten, um nach dem Rechten zu sehen. Um seine Autorität zu unterstreichen, beschloss er, das nur in langen Unterhosen bekleidet zu tun – ein sehr wirkungsvolles Mittel, wie ich finde. Wir goutierten in der Zwischenzeit weiter fröhlich Zirbenschnaps (ich pries zum ca. hundersten Mal halbherzig meinen Büffelgrasvodka an), labten uns im Kerzenschein an Suppe und Couscous und genossen die wohlige Wärme.

schen woam! Im Hintergrund zu sehen unsere Durchreiche.
Nachdem es aber noch nicht so spät war und Schlaf sowieso mit verschwendeter Lebenszeit gleichzusetzen ist, beschloss der harte Kern, der Hütte noch einen Besuch abzustatten. Die weniger Harten der Harten nutzten die Gelegenheit gleich, um zivilisiert ihre Blasen zu entleeren und sich die Zähne zu putzen. Der Besuch der Hütte machte sich dann vor allem wegen der Rückkehr zu unseren Höhlen bezahlt. Feuchtfröhlich wankten wir unter sternenklarem Himmel dem hinterher, der am meisten getrunken und seine Stirnlampe nicht eingeschaltet hatte. Vor dem Eingang zur Höhle bot sich dann ein sagenhafter Anblick: Der Schein der Kerze schimmerte durch das Luftloch, während der Wind den Schnee durch die sternenklare Nacht wirbelte. Fehlte nur noch der Coca-Cola-Schriftzug am Himmel.
Irgendwann schaffte es Mani dann auch tatsächlich, die Rückkehr ins Tal anzutreten und wir verzogen uns in unsere Höhlen. Werner ließ abermals den harten Kerl heraushängen und führte eindrucksvoll vor, wie es richtige Bergfexe mit der Mundhygiene halten. Ein Schluck Tee aus der Thermoskanne, einmal gegurgelt, fertig. Vor dem Schlafengehen gelang es mir dann auch endlich, ein bisschen was von meinem verschmähten Büffelgrasvodka anzubringen. Dann begaben wir uns alle in die Löffelchenstellung, wunderten uns noch über die gebauschten Schlafsäcke und wurden schließlich vom Schlaf übermannt. Zumindest ich. Die anderen verbrachten wohl noch einige Minuten im Schockzustand, da sie sich nicht erklären konnten, wie ein weibliches Wesen von so geringer Körpergröße so laut schnarchen konnte. Dabei hätte ihnen meine vulgäre Ausdrucksweise eigentlich schon als Indiz für meine unfeine Art dienen können.
Am nächsten Morgen erwachten wir bei strahlendem Sonnenschein. Sofort wurde eine Frühstückscouch im Freien eingerichtet. Auch hier zeigte sich wieder, dass mit Werner nicht zu spaßen ist – Erdäpfelgulasch zum Frühstück. Mindestens. 

So lässt sichs leben!!
Danach gruben wir ganz vorbildlich ein Schneeprofil und Martin hielt einen wunderbaren Vortrag. Und weil es so schön war, ließen wir uns auch gleich noch zu einer Suchübung mit Pieps hinreißen. Und nachdem es niemandem gelungen war, die Schneehöhle zum Einsturz zu bringen, platzierten wir kurzerhand ein paar Gegenstände sowie ein menschliches Lebewesen darin, um Sondierübungen zu machen. Nachdem wir so brav unsere Hausübungen gemacht hatten, war nicht mehr wirklich Zeit für einen Gipfel und wir setzen uns in Bewegung Richtung Tal. Auf Geheiß der Schneeschuhgeherinnen demonstrierte ich bei der Abfahrt bereitwillig, wie man kopfüber in den Schnee fällt und aus den Schiern kippt.

a super Partie!!!!!!
Zum Abschluss kehrten wir im Tal noch in einem Gasthof ein, wo einer nach dem anderen am Tisch einschlief. Alles in allem also ein gelungenes Wochenende. Nur dieser Yeti, diese sagenumwobene Figur, hatte sich kein einziges Mal blicken lassen...

Kommentare: